DIE GESCHICHTE

‘N BISSCHEN FRIEDEN

Rock ’n‘ Roll Summer

1979. DDR Ostseestrand. Nacht. Zwei Männer in Taucheranzügen ziehen ein Schlauchboot auf den Sand. Sie wollen flüchten, über die Ostsee nach Westdeutschland. Es sind Richard Steiner, Protest und Popsänger der DDR und sein Freund Bernd, ebenfalls Mitglied der „Richard Steiner Combo“.

Hier, an diesem Strand, lernte Richard einst die Liebe seines Lebens kennen: Elisabeth eine Studentin aus West-Berlin.  Es war 1967, der „Sommer of Love“, wie man ihn nannte. Über zehn Jahre schon haben Richard und Elisabeth versucht, zusammenzukommen – vergeblich.

Denn Richard hat ein Problem. Er kann seinen Mund nicht halten, er ist ein Idealist und dachte in den Sechzigern noch, er könne mit seiner Musik die Gesellschaft verändern. Doch stattdessen zog er die Aufmerksamkeit und den Ärger eines Vertreters des DDR Kulturbüros an: Erwin Krause hatte seine Arbeit ganz in den Dienst der Staatssicherheit gestellt. Fortan bekämpfte er Richard. Über Jahre hinweg behinderte er immer wieder seine Karriere, erteilte ihm ein Reiseverbot und schließlich versuchte er, Richard zu bestechen. Er wollte, dass Richard selber als inoffizieller Mitarbeiter (IM) für die Stasi aktiv werde. Doch Richard hat abgelehnt. Daraufhin hat Krause kurzen Prozess mit ihm gemacht. Er hat ihm ein Auftrittsverbot erteilt, seiner Freundin Elisabeth die Einreise in die DDR verweigert und Richard schließlich ins Gefängnis gesteckt. Richard ist erst vor kurzem rausgekommen. Nun bleibt ihm nur noch die Flucht.

Richard rudert mit seinem Freund Bernd auf die Ostsee hinaus. Nach acht Stunden sollten sie die Grenze erreichen und von dort an wollen sie schwimmen.

Doch Richard und Bernd tauchen nicht wieder auf. Nach einigen Jahren werden sie für tot erklärt.

Dreißig Jahre später. Elisabeth ist inzwischen eine siebzigjährige Witwe. Sie hat ihr Leben ohne Richard gelebt, war verheiratet, hat eine Tochter und eine Enkelin.

Elisabeth lebt im vereinten Deutschland an eben der Küste, an der sie Richard kennengelernt hatte.

Eines Tages schaut sie sich in einer Zeitschrift einen Reisebericht über Südengland an. Und plötzlich traut sie ihren Augen nicht. Sie sieht ein Foto eines Straßenmusikers am Pier von Brighton. Es ist ein Schock:

Sie ist sich sicher: das ist er! Er ist es! Das ist Richard. Ihr „Ricky“ lebt! Aber wie kann das sein? Wenn er überlebt hat, warum ist er dann nicht zu ihr gekommen? Was ist auf der Flucht geschehen?

Was ist Richards Geheimnis?

Elisabeth beschließt, nach Brighton zu fahren, um Richard zu suchen. Sie muss wissen, was damals geschehen ist. Sie muss ihren Seelenfrieden finden.

Doch sie möchte nicht alleine fahren. So weiht sie ihre Enkelin ein: Nina.
Nina träumt davon, Sängerin zu werden, doch ihre Mutter (Jutta) hält das für Unsinn und hat ihr geradezu befohlen, Jura zu studieren.

Elisabeth weiß, wie sie Nina überreden kann: In London gibt es eine Musikakademie. Dort wollte Nina immer schon studieren – in ihren Träumen.

So machen sich die beiden auf den Weg nach England – zunächst nach London, zur Akademie, dann weiter nach Brighton.

Unterwegs berichtet Elisabeth ihrer Enkelin vom auf und ab ihrer Liebesbeziehung zu Richard, von den Höhen und Tiefen seiner Musikkarriere und dem Konflikt mit Krause und der Stasi. Ihre Schilderungen erleben wir in mitreißenden Auftritten der Richard Steiner Combo, dramatischen Konfrontationen von Richard und Krause und schließlich in verzweifelten Liebesszenen des Paares, das für seine gemeinsame Zukunft kämpft.

Nina lässt sich einen Termin für eine Aufnahmeprüfung an der Akademie geben und in Brighton lernt sie am Pier einen jungen Mann (Tom) kennen, der ihr verspricht, er werde ihr helfen, Richard Steiner zu finden.

Doch noch jemand erscheint an Englands Küstenort. Der alte Erwin Krause hat mitbekommen, dass Elisabeth eilig nach Brighton gereist ist, und auch er hat das Foto in der Zeitschrift gesehen und Richard erkannt.

So kommt der Konflikt von damals zu einer finalen Auseinandersetzung, in der nicht nur Richards Geheimnis herauskommt – denn auch Elisabeth hat eins.

Doch was wirklich geschah, während der Flucht auf der Ostsee, das enthüllen erst die Eintragungen von Krause in der Stasi Akte von Richard Steiner.

Im Showdown sind wir wieder bei Richard und Bernd im Boot auf dem offenen Meer. Damals 1979.

Sie erreichen die Grenze zu Westdeutschland. Von hier ab wollen sie schwimmen. Doch Bernd zögert.  Plötzlich werden sie von Scheinwerfern angestrahlt. Zwei Patrouillenboote liegen hier bereit. Denn Krause erwartet sie schon. Er weiß, dass sie kommen…

Wie die Liebe Grenzen und Gewalt überwindet – dies erzählt ’N BISSCHEN FRIEDEN.

So blicken wir zurück zu dem Drama unserer Wiedervereinigungsgeschichte, in dieser Zeit, in der derselbe Konflikt mit demselben Regime wieder aufbrennt – und wir erkennen, was für ein Glück wir doch hatten, dass wir unseren deutschen Frieden gefunden haben.